Begriffe in der Gasmesstechnik - Teil 1: Grundlagen:
Bei industriellen Prozessen werden in
steigendem Maße sehr gefährliche Stoffe, insbesondere zündfähige und
toxische Gase sowie Sauerstoff verwendet und erzeugt. Gelegentliche
Gasaustritte, die eine potenzielle Gefährdung der Industrieanlage, der
darin Beschäftigten und der Anwohner darstellen, sind nahezu
unvermeidlich. Weltweit auftretende Zwischenfälle, die Erstickungen,
Explosionen und Todesfälle zur Folge haben, sind eine ständige
Erinnerung an dieses Problem.
In den meisten Industriezweigen ist die Verwendung von
Frühwarneinrichtungen, wie z. B. Gasdetektoren, ein wichtiger
Bestandteil jedes Sicherheitsplans, um die Risiken für Personen und
Anlagen zu verringern. Diese Einrichtungen tragen dazu bei, dem
Betreiber einer Anlage mehr Zeit zu verschaffen, um Abhilfe- oder
Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Sie können außerdem in ein umfassendes
integriertes Überwachungs- und Sicherheitssystems für einen
industriellen Betrieb eingebunden werden.
Was ist Gas?
Der Name Gas stammt von dem lateinischen Wort ‚Chaos‘. Gas besteht
aus einem Schwarm von Molekülen, die sich willkürlich und chaotisch
bewegen und ständig miteinander sowie mit allem um sie herum
kollidieren. Gase füllen jeden verfüg baren Raum aus. Aufgrund der
sehr hohen Geschwindigkeit, mit der sie sich bewegen, vermischen sie
sich rasch mit jeder Atmosphäre, in der sie freigesetzt werden.
Gase können leichter oder schwerer als Luft sein oder in etwa die
gleiche Dichte besitzen. Gase können einen Geruch haben oder geruchlos
sein. Es gibt farbige und farblose Gase. Wenn man sie nicht sehen,
riechen oder fassen kann, bedeutet dies nicht, dass sie nicht vorhanden
sind.
Gefährdungen durch Gase
Die drei Hauptgefährdungen durch Gase sind:
Brennbar - Gefahr von Bränden und/oder Explosionen, z. B.
Methan, Butan, Propan
Toxisch - Vergiftungsgefahr, z. B. Kohlenmonoxid,
Schwefelwasserstoff, Chlor
Erstickend - Erstickungsgefahr, z. B. Sauerstoffmangel.
Sauerstoff kann verbraucht oder durch ein anderes Gas verdrängt werden
Gefährdungen durch brennbare Gase
Verbrennung ist eine recht einfache chemische Reaktion, bei der sich
Sauerstoff rasch mit anderen Stoffen verbindet, wobei Energie
freigesetzt wird. Diese Energie zeigt sich hauptsächlich als Hitze,
zuweilen in der Form von Flammen. Der entzündete Stoff ist
normalerweise, aber nicht immer, eine Kohlenwasserstoffverbindung, die
fest, flüssig, als Dampf oder Gas vorliegen kann.
Es gibt nur einen begrenzten Bereich der Gas/Luftkonzentration, in dem
ein explosionsfähiges Gemisch vorhanden ist. Dieser Bereich ist für
jedes Gas und je- den Dampf spezifisch und liegt zwischen einer oberen
Explosionsgrenze (OEG) und einer unteren Explosionsgrenze (UEG).
Bei Konzentrationen unter der UEG ist nicht genügend Gas vorhanden, um
eine Explosion zu erzeugen (d. h. das Gemisch ist zu "mager"),
während über der OEG nicht ausreichend Sauerstoff vorhanden ist (d. h.
das Gemisch ist zu "fett"). Der zündfähige Bereich liegt
daher für jedes einzelne Gas oder Gemisch von Gasen zwischen der UEG
und der OEG. Außerhalb dieser Grenzen ist das Gemisch nicht
brennfähig. Eine Erhöhung des Drucks, der Temperatur oder des
Sauerstoffgehalts erweitert gewöhnlich den Zündfähigkeitsbereich.
In einer durchschnittlichen Industrieanlage entweichen normalerweise
keine Gase in die Umgebung, oder es liegen nur niedrige
Untergrundkonzentrationen von Gasen vor. Das Mess- und Frühwarnsystem
wird daher nur benötigt, um Konzentrationen von null Prozent Gas bis
zur unteren Explosionsgrenze zu erkennen. Bis zu dem Zeitpunkt, zu dem
diese Konzentration erreicht ist, sollten Abschaltverfahren in Gang
gesetzt oder die Anlage geräumt worden sein. Dies geschieht im
Allgemeinen schon bei Konzentrationen weit unter 50 Prozent der UEG,
sodass eine ausreichende Sicherheitsmarge gewährleistet ist.
Es darf aber in keinem Falle außer acht gelassen werden, das in
geschlossenen oder unbelüfteten Bereichen durchaus Konzentrationen
über der OEG auftreten können. Bei Inspektionen ist daher besondere
Aufmerksamkeit erforderlich, wenn Luken oder Türen geöffnet werden, da
durch das Eindringen von Luft Gase auf gefährliche, zündfähige
Gemische verdünnt werden können.
Eigenschaften brennbarer Gase
Zündtemperatur: Für jedes brennbare Gas gibt es außerdem eine
Temperatur, bei der eine Zündung auch dann stattfindet, wenn keine
externe Zündquelle, wie z. B. ein Funken oder eine Flamme, vorliegt.
Diese Temperatur wird als die Zündtemperatur bezeichnet.
Betriebsmittel, die in explosionsgefährdeten Bereichen verwendet
werden, dürfen keine Oberflächentemperatur über der Zündtemperatur
erreichen. Sie sind daher mit einer maximalen Oberflächentemperatur
oder Temperaturklasse gekennzeichnet.
Flammpunkt (°C): Der Flammpunkt einer brennbaren Flüssigkeit ist die
niedrigste Temperatur, bei der die Oberfläche der Flüssigkeit so viel
Dampf abgibt, dass sich dieser durch eine kleine Flamme entzündet. Dies
ist nicht zu verwechseln mit der Zündtemperatur; die beiden Werte
können sehr verschieden sein.
Dampfdichte: Hilfreich bei der Festlegung der Sensorplatzierung Dichte
eines Gases / Dampfes verglichen mit Luft wobei Luft = 1,0. Dampfdichte
< 1,0: Gas/Dampf steigt auf Dampfdichte > 1,0: Gas/Dampf sinkt ab.

Gefährdungen durch toxische Gase
Manche Gase sind giftig und können schon bei sehr niedrigen
Konzentrationen lebensbedrohend sein. Andere Gase haben einen sehr
starken Geruch, wie z. B. der deutlich wahrnehmbare Geruch nach "faulen
Eiern" von H2S. Die gängigsten Maßeinheiten für die
Konzentration toxischer Gase sind ppm (Parts per Million) und ppb (Parts
per Billion). 1ppm wäre zum Beispiel gleichbedeutend mit einem Raum,
der mit insgesamt einer Million Bällen gefüllt ist, von denen einer
rot ist. Dieser rote Ball entspricht dann 1ppm.
Es sterben mehr Menschen an toxischen Gasen als durch Explosionen, die
durch das Entzünden brennbarer Gase hervorgerufen werden. (Zu bemerken
ist, dass es eine große Gruppe von Gasen gibt, die sowohl zündfähig
als auch toxisch sind, sodass Detektoren für toxische Gase manchmal
auch eine Genehmigung für explosionsgefährdete Bereiche benötigen.)
Der Hauptgrund für die getrennte Betrachtung zündfähiger und
toxischer Gase ist, dass die Gefährdungen und Vorschriften sowie die
benötigten Sensortypen verschieden sind.
Das Hauptproblem bei toxischen Stoffen ist (abgesehen von den
offensichtlichen Umweltproblemen) ihre Einwirkung auf Personen schon bei
sehr niedrigen Konzentrationen, die eingeatmet oder durch den Mund oder
die Haut aufgenommen werden können. Da nachteilige Einflüsse häufig
durch sich summierende Langzeitaussetzung entstehen können, ist es
wichtig, nicht nur die Gaskonzentration sondern auch die gesamte
Expositionszeit zu messen. Es gibt sogar einige bekannte Fälle
synergetischer Effekte, bei denen Stoffe zusammenwirken und dann einen
erheblich nachteiligeren Einfluss ausüben als jeder Stoff für sich
allein.
Die Berücksichtigung von Konzentrationen toxischer Stoffe am
Arbeitsplatz konzentriert sich sowohl auf organische als auch
anorganische Verbindungen, einschließlich der Einflüsse, die sie auf
Gesundheit und Sicherheit der Mitarbeiter, mögliche Kontamination des
gefertigten Endprodukts (oder der für die Fertigung verwendeten
Betriebsmittel) sowie der daraus folgenden Unterbrechung der normalen
Arbeitstätigkeit haben.
Arbeitshygiene
Aufgabe der industriellen Arbeitshygiene ist es sicherzustellen, dass
die Mitarbeiter keinen gesundheitsgefährdenden Zuständen durch Gase,
Staub, Lärm usw. ausgesetzt sind, d. h. dass die gesetzlich
vorgeschriebenen Grenzwerte am Arbeitsplatz nicht überschritten werden.
Dies betrifft sowohl die Flächenmessung (Profilierung möglicher
Expositionen) als auch die persönliche Überwachung, wobei Geräte von
Arbeitern getragen und Messungen so nahe wie möglich an der Atemzone
durchgeführt werden. Damit ist gewährleistet, dass die gemessenen
Kontaminationen tatsächlich repräsentativ für die vom Arbeiter
eingeatmeten Stoffe sind.
Es muss betont werden, dass sowohl die persönliche Überwachung als
auch die Überwachung des Arbeitsplatzes als wichtige Bestandteile eines
umfassenden, integrierten Sicherheitsplans anzusehen sind. Beide liefern
ausschließlich Informationen über die Bedingungen und Zustände am
Arbeitsplatz. Mit Hilfe dieser Informationen können dann die
notwendigen Maßnahmen ergriffen werden, um die einschlägigen
industriellen Vorschriften und Sicherheitsanforderungen zu erfüllen.
Unabhängig von der Methode ist es wichtig, die Toxizität der
beteiligten Gase eingehend zu berücksichtigen. Ein Gerät, das z. B.
nur einen zeitgewichteten Mittelwert misst, oder ein Gerät, das eine
Probe für eine Laboranalyse entnimmt, würde einen Arbeiter nicht vor
einer kurzzeitigen Exposition durch eine tödliche Dosis einer
hochgiftigen Substanz schützen. Andererseits könnte es durchaus normal
sein, dass kurzzeitig ein mittlerer Langzeitpegel (LTEL) in einigen
Bereichen der Anlage überschritten wird, der nicht als Alarmsituation
angezeigt werden muss. Ein optimales Gerätesystem sollte daher imstande
sein, sowohl kurzzeitige als auch längere Expositionen sowie momentane
Alarmschwellen zu überwachen.
Arbeitsplatzgrenzwerte für toxische Gase (Europäische
Arbeitsplatzgrenzwerte)
Arbeitsplatzgrenzwerte werden von den zuständigen nationalen Behörden
oder anderen maßgeblichen Einrichtungen als Grenzwerte für die
Gefahrstoffkonzentrationen in der Umgebungsluft am Arbeitsplatz
festgesetzt. Arbeitsplatzgrenzwerte für Gefahrstoffe sind ein wichtiges
Hilfsmittel für Risikobewertung und -management und liefern wertvolle
Informationen für die Kontrolle gefährlicher Stoffe zur
Gewährleistung von Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit.
Arbeitsplatzgrenzwerte können für Verkaufsprodukte ebenso wie für
Abfälle und Nebenprodukte aus Produktionsprozessen gelten. Es handelt
sich um Grenzwerte zum Schutz vor Gesundheitsschäden, die sich aber
nicht auf sicherheitsrelevante Aspekte wie beispielsweise entflammbare
Konzentrationen beziehen. Da sich Grenzwerte häufig ändern und von
Land zu Land verschieden sein können, sollten Sie sich an ihre
zuständigen nationalen Behörden wenden, um sicherstellen, dass Sie die
neuesten Informationen besitzen.

Gefährdung durch Erstickung (Sauerstoffmangel)
Zum Leben benötigen wie alle Sauerstoff (O2) in der Atemluft. Luft
enthält neben Sauerstoff mehrere andere Gase. Normale Umgebungsluft
besitzt eine Sauerstoffkonzentration von 20.9Vol%. Sinkt der
Sauerstoffgehalt unter 19.5Vol%, besteht Sauerstoffmangel.
Sauerstoffkonzentrationen unter 16Vol% sind für Menschen gefährlich.
Sauerstoffüberschuss
Oft wird nicht daran gedacht, dass auch zu viel Sauerstoff ein Risiko
darstellen kann. Mit steigendem O2Gehalt erhöht sich die
Entflammbarkeit von Werkstoffen und Gasen. Bei 24% Sauerstoff kann sich
z. B. Kleidung spontan entzünden.
Beim Gasschweißen verbinden sich Sauerstoff und Acetylen, um extrem
hohe Temperaturen zu erzeugen. Andere Bereiche, in denen durch mit
Sauerstoff angereicherte Atmosphären Gefahren entstehen können, sind
z. B. Fertigungs- und Lagerstätten für Raketenantriebssysteme,
Bleichprodukte für die Zellstoff- und Papierindustrie sowie
Abwasseraufbereitungsanlagen. Sensoren müssen für die Verwendung in
mit O2 angereicherten Atmosphären speziell zertifiziert sein.
Weiter zum Teil 2: Messprinzipien
Quelle: Gasbuch der Firma Honeywell Analytics
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